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Die Formen biografischer Texte

  • brkn63
  • 10. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Biografische Texte umfassen eine Vielzahl von Formen, die sich in Stil, Perspektive und Zielsetzung unterscheiden. Sie können – als autobiographische Texte – von einer Person über sich selbst verfasst sein oder aus der Sicht eines anderen entstehen. Während einige Werke versuchen, ein möglichst objektives Bild eines Lebens zu vermitteln, legen andere den Fokus auf literarische Gestaltung, Reflexion oder fiktionale Elemente.

 

Die klassische Biografie erzählt das Leben einer Person, meist chronologisch, von der Geburt bis zum Tod oder bis zu einem bestimmten Punkt im Leben. Sie basiert auf dokumentierten Fakten, Gesprächen mit Zeitzeugen und oft auch auf persönlichen Aufzeichnungen der Person selbst.

Die Autobiografie hingegen ist eine Selbstbeschreibung – das heißt, die Person schreibt über ihr eigenes Leben aus ihrer eigenen Perspektive. Während Biografien oft von Historikern oder Journalisten verfasst werden, ist die Autobiografie ein persönlicher Rückblick, der subjektive Erinnerungen, Reflexionen und manchmal auch kreative Ausschmückungen enthält.

Im Gegensatz zur Autobiografie konzentrieren sich Memoiren oder wie es englischsprachig heisst Memoirs, auf bestimmte Abschnitte oder Themen im Leben eines Menschen. Sie haben nicht den Anspruch einer vollständigen Lebensgeschichte und müssen auch nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt werden. Memoiren können sich auf einzelne Erlebnisse, Gedanken oder Emotionen konzentrieren. Ein Beispiel für diese Form ist Joan Didions „Das Jahr magischen Denkens“, das sich mit Trauer und Verlust nach dem Tod ihres Ehemannes auseinandersetzt.

Ein Tagebuch ist eine der unmittelbarsten Formen autobiografischen Schreibens. Es entsteht oft ohne den Gedanken an eine spätere Leserschaft – es ist ein vertrauter Ort, an dem Gedanken, Gefühle und Erlebnisse festgehalten werden. Im Gegensatz zu einer Autobiografie oder einem Memoir, die rückblickend mit einer gewissen Distanz geschrieben werden, ist das Tagebuch direkt, roh und oft ungefiltert.

Ein Porträt ist der Versuch, eine Persönlichkeit in Worte zu fassen. Anders als eine vollständige Biografie konzentriert sich ein Porträt nicht auf die gesamte Lebensgeschichte, sondern auf einen bestimmten Abschnitt, eine Facette oder eine besondere Eigenschaft der porträtierten Person.

Autofiktionale Texte sind eine besondere Form des autobiografischen Schreibens, bei der sich Wahrheit und Fiktion vermischen. Der Autor schreibt über sein eigenes Leben, verändert aber Details, fügt erfundene Elemente hinzu oder verschiebt die Perspektive. So entsteht ein literarisches Spiel mit Realität und Imagination: Was ist wahr, was ist erfunden? Die Grenzen verschwimmen – und genau das macht den Reiz dieser Erzählweise aus.

Eine weit verbreitete Form eines biografischen Textes ist der Nachruf. Es gibt zwei grundsätzliche Arten von Nachrufen. Die erste ist der formelle, oft sehr knappe Nachruf im Stil einer Traueranzeige – etwa von einem Arbeitgeber, Verein oder einer Institution. Diese Nachrufe bestehen meist aus wenigen Zeilen, sind stark formelhaft und enthalten standardisierte Wendungen wie „Wir verlieren einen geschätzten Kollegen“ oder „In stiller Trauer nehmen wir Abschied“. Sie sollen das berufliche Wirken würdigen und drücken Anteilnahme aus. Die zweite Form ist der journalistische Nachruf. Er erscheint in Zeitungen oder Magazinen und zeichnet das Leben einer verstorbenen Person ausführlich nach: mit biografischen Stationen, Erfolgen, manchmal auch Widersprüchen. Solche Nachrufe widmen sich meist prominenten Persönlichkeiten – manchmal nüchtern, manchmal persönlich oder sogar pointiert und literarisch. In englischsprachigen Ländern ist der journalistische Nachruf eine geschätzte Textform mit langer Tradition.

Formen Biografischer Texte

 
 
 

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