Ab 60 geht’s zurück.
- brkn63
- 28. Mai 2025
- 2 Min. Lesezeit
Die Life-Review-Theorie von Robert N. Butler erklärt, warum wir uns im Alter plötzlich mit unserer Vergangenheit beschäftigen.
Ich kenne das von mir selbst. Mein ganzes bisheriges Leben lang habe ich nie zurückgeblickt. Immer nur nach vorn. Vergangenheit – ist eben passé. Erinnerungsstücke aufbewahren – ich brauche doch kein Privatmuseum. Und plötzlich klopfen sie an – diese alten Erinnerungen. Häufig im Traum, dann auch tagsüber. Plötzlich denkt man über so vieles nach. Die Eltern, die Kindheit, Trennungen, Verluste, Glücksmomente, alte Schulfreunde, WG-Partys.
Jutta Mügge hat das mal sehr schön auf den Punkt gebracht: "Viele, viele Erinnerungen kommen ans Licht. Erfolge und Misserfolge, Trauriges, Tröstliches, aber auch Beschämendes schwimmen einfach ungefragt an die Oberfläche." Und sie hat recht: Ignorieren hilft nicht. Die Bilder melden sich nicht zum Spaß. Sie wollen gesehen werden.
Der amerikanische Altersforscher Robert N. Butler, Jahrgang 1927 hat das Ganze in den 1970er-Jahren schon beobachtet. Er nannte es "Life Review" – Lebensrückblick. Seine These: Ältere Menschen haben ein inneres Bedürfnis, ihr Leben noch einmal durchzugehen. Wie ein internes Audit, nur mit mehr Emotionen.
Die wichtigsten Gedanken der Life-Review-Theorie:
Der Rückblick auf das eigene Leben ist keine Sentimentalität, sondern eine psychologische Notwendigkeit.
Es geht ums Verstehen: Was hat mich geprägt? Wie bin ich mit Krisen umgegangen? Warum bin ich eigentlich so geworden, wie ich bin?
Ziel ist es nicht, alles zu beschönigen – sondern Frieden zu schließen. Mit dem, was war. Und mit dem, was eben nicht war.
Das Ganze kann auch therapeutisch sehr wirksam sein – vor allem, wenn da noch Altlasten rumliegen, die nie entsorgt wurden.
Und: Wer seine Lebensgeschichte sortiert, stärkt auch seine Identität. Weil man plötzlich merkt: Da ist ein roter Faden. Oder zumindest ein paar brauchbare Knotenpunkte.
Aus Butlers Theorie entstand eine ganze Bewegung: Biografiearbeit. Heute wird sie in der Psychotherapie, Altenpflege und Palliativmedizin eingesetzt. Einige Beispiele:
Lebensrückblick-Therapie: Besonders wirksam bei Depression oder Demenz.
Biografiearbeit: Wird in Pflegeeinrichtungen eingesetzt, um persönliche Identität zu bewahren.
Erinnerungspflege: In der Demenzbetreuung ein wichtiges Instrument, um emotionale Stabilität zu fördern.
Fazit? Der Rückblick ist keine nostalgische Spielerei. Er ist ein Akt der Selbstvergewisserung. Und manchmal sogar ein Akt der Befreiung.
Bist du selbst gerade in so einem Lebensrückblick?
• Welche Erinnerungen kommen bei dir immer wieder?
• Was würdest du gern anders bewerten – mit dem Abstand von heute?
• Gibt es Kapitel, die du noch nicht zu Ende geschrieben hast?
• Was müsste unbedingt in dein persönliches "Best of"?
• Was würde passieren, wenn du deine Geschichte aufschreibst?
Tauchen bei dir auch diese Erinnerungen auf – mal leise, mal mit voller Wucht? Dann ist jetzt der richtige Moment, sie nicht nur vorbeiziehen zu lassen, sondern festzuhalten. Unser kostenloser Onlinekurs hilft dir dabei: mit Fragen, die nach innen führen. Mit Impulsen, die aus Gedanken Geschichten machen. Und mit der Ermutigung, genau jetzt damit zu beginnen, deine Biografie aufzuschreiben.
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