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Warum ich die Biografie*Retter gegründet habe

 Ich heiße Bernd Röthlingshöfer und hatte gleich mehrere Schreibberufe: Werbetexter, Fachjournalist, Buchautor, Ghostwriter. Doch mich prägt noch was anderes: Ich bin Kriegsenkel. Aufgewachsen mit dem Schweigen der Eltern und Großeltern. Mit Lücken, Unausgesprochenem, dem Gefühl: Da war etwas — aber wir sprechen nicht darüber.
Niemand sollte ohne seine Herkunftsgeschichte aufwachsen. Niemand sollte glauben, dass er „nichts zu erzählen" hat.
Ich finde, wir brauchen eine biografische Kultur. Eine Kultur, die die Einzigartigkeit und Bedeutung jeder Lebensgeschichte anerkennt und wertschätzt. Die Menschen ermutigt, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, zu reflektieren und weiterzugeben. Die Methoden entwickelt und bereitstellt — Schreibanregungen, Erzählstrukturen, Gesprächsformate — um diesen Prozess in Gang zu bringen. Und die das Schreiben über das eigene Leben als das begreift was es ist: eine kulturelle Praxis, keine Freizeitbeschäftigung. Deshalb habe ich die Biografie*Retter gegründet.

7 Gründe
für mehr biografische Kultur

01

Erinnerungskultur 

Jede nicht aufgeschriebene Lebensgeschichte ist unwiederbringlich verloren. Das betrifft nicht nur Einzelne — sondern das kollektive Gedächtnis einer Gesellschaft. Wir verlieren täglich Geschichten, die nie jemand für bedeutsam genug hielt.

03

Generationenweitergabe

Kinder und Enkelkinder wachsen ohne die Herkunftsgeschichte ihrer Eltern oder Großeltern auf — nicht weil diese nichts zu erzählen hätten, sondern weil niemand sie je gefragt oder ermutigt hat. Das erzeugt Leerstellen, die sich über Generationen fortsetzen.

05

Narrative Identität

Wer seine Geschichte nicht selbst erzählt, überlässt anderen die Deutung. Wer schreibt, gewinnt Kontrolle über das eigene Bild — und versteht sich selbst besser. Das ist Selbstwirksamkeit in ihrer direktesten Form.

07

Bewahrung der Schreibkompetenz

Schreiben ist eine Kulturtechnik die zunehmend unter Druck gerät. Bilder ersetzen Worte, KI übernimmt Texte, Lesegewohnheiten schwinden. Wer seine Lebensgeschichte aufschreibt, übt eine Fähigkeit die weit über das Biografische hinausgeht: klares Denken, präziser Ausdruck, die eigene Stimme.

02

Identität und psychische Gesundheit

Butler's Life-Review-Theorie zeigt: Menschen die ihr Leben reflektieren und in Worte fassen, verarbeiten es besser. Biografiearbeit ist anerkannte psychotherapeutische Methode — bei Depression, Demenz, Trauma.

04

Demokratisierung des Erzählens

Biografien werden traditionell nur über Prominente geschrieben. Dabei sind es oft die unbekannten Leben — Arbeitermilieus, Migrationserfahrungen, Kriegsenkel, Pflegeheimbewohner — die historisch wertvoll sind.

06

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Geschichten schaffen Empathie. Wer die Geschichte eines anderen liest — auch eines ganz gewöhnlichen Menschen — versteht ihn. Das ist kein kleines Ding in einer Zeit wachsender Polarisierung.

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